Buch Rezension von: Barbara Roller, Ergotherapeutin und Krankenschwester, Multiplikatorin Basale Stimulation und Präsidentin des spanischen Vereins ” para el Desarrollo de Basale Stimulation®

Vor Kurzem ist im Vincentz Verlag dieses handliche Buch erschienen. Thomas Buchholz hat es vornehmlich für Betreuungskräfte geschrieben, die unter anderem verantwortlich sind für die Einzelbetreuung der Heimbewohnenden, die bettlägerig sind oder Schwierigkeiten mit ihrem Gefühls- und Seelenleben haben. Hervorzuheben ist, dass das Buch in einer Sprache verfasst ist, die auch für Betreuungskräfte ohne akademische Bildung leicht verständlich ist. Alle Fachausdrücke werden sehr einfach und verständlich in ihrer Bedeutung erklärt.

Dieses Buch soll vor allem zur Anregung der Beziehungsgestaltung dienen und gleichzeitig vermitteln, wie wichtig das Wohlbefinden und die Verbesserung der Lebensqualität für die Betroffenen sind. Mir hat besonders die Gliederung des Buches gefallen:

  • Kapitel Eins beschreibt die Aufgaben der Pflegekräfte.
  • Im  zweiten Kapitel wird das Konzept der Basalen Stimulation® kurz und verständlich eingeführt.
  • Im dritten Kapitel stellt T. Buchholz die verschiedenen Modelle der Basalen Stimulation®vor und wie sie genutzt werden können, um sich der Lebenswelt beeinträchtigter Menschen anzunähern und um individuelle Antworten auf ihre aktuelle Lebenssituation zu suchen. Nach einer theoretischen Einführung an das jeweilige Modell stellt er in Schaukästen Fragen dar, die den Leser anregen sollen, sich mit dem jeweiligen Thema auseinanderzusetzen. Es geht ihm nie um Rezepte, sondern um das Annähern an die Einzigartigkeit jeder Person. Sie soll im Mittelpunkt aller Fragen und Denkvorgängen stehen und der Leser wird aufgefordert seine eigenen Interessen im Hintergrund zu belassen. Fallbeispiele illustrieren das Suchen nach möglichen Antworten.
  • Im vierten Kapitel wird anhand des Hexagons auf sehr verständliche Weise dargestellt, welche Veränderungen im jeweiligen Bereich einen dementiellen Prozess begleiten können. Diese Erklärungen sind eine Hilfestellung, um besser einschätzen zu können, was jeder einzelne Mensch in jedem Moment braucht. Damit will T. Buchholz eine Hilfestellung geben, um das eigene Vorgehen zu planen und zu begründen. Der Autor weist auch immer wieder darauf hin, wie wichtig die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist und ermuntert die Betreuungskräfte ihre Einschätzungen und geplanten Vorgehensweisen mit kompetenten Fachkräften des Teams zu besprechen.
  • Im Kapitel 5 beschreibt der Autor die Anforderungen an die beteiligten Personen und die Angebote. Hier wird nochmals auf die Wichtigkeit des dialogischen Vorgehens hingewiesen und was zu bedenken ist, um diesen Dialog auch wirklich herzustellen. In Kapitel vier und fünf gelingt es T. Bucholz das Verständnis zu wecken, dass “Menschen mit Demenz sind, wie sie sind und in kein Schema passen” und appeliert vor allem an einen würde- und respektvollen Umgang mit jedem Einzelnen.
  • Im sechsten Kapitel stellt der Autor dann basal stimulierende Angebote vor. Ganz klar geht es hier nicht um Vermittlung von Rezepten, sondern um die Frage, wie im Rahmen der Einzelbetreuung Erfahrungen mit dem eigenen Körper angeboten werden können. Es werden verschiedenste Möglichkeiten der Beziehungsgestaltung, vor allem über die körpernahen Sinne, vorgestellt. In diesem Kapitel spricht T. Buchholz auch die Wichtigkeit der Eigenreflexion und die dazu gehörende Präsenz an.

Meines Erachtens handelt es sich hierbei um ein äusserst empfehlenswertes Handbuch, dass nicht nur für Betreungskräfte interessant ist, sondern für alle, die mit Personen mit Demenz arbeiten oder im privaten Bereich mit ihnen zu tun haben. Es kann ein brauchbares Hilfsmittel sein, um sich  immer wieder klar zu machen, worum es bei dieser Arbeit geht. Nämlich mit Respekt und Verständnis im Dialog Menschen mit Demenz zu begleiten.

Quelle: Thomas Buchholz, Vincentz Verlag, Hannover, 2021, ISBN 978-3-7486-0345-0