Deutsche Langzeitstudie zu Diskriminierung: Wie sieht es für chronisch Kranke und Menschen mit Behinderung aus?

13,1 Prozent der Menschen in Deutschland geben an, in einem festgelegten Zeitraum von 12 Monaten Erfahrungen mit Diskriminierung gemacht zu haben. Auf den Anteil der Erwachsenen in der Bevölkerung umgerechnet entspricht dies rund 9 Millionen Menschen.
Die Langzeitstudie
Die Daten, die zu diesem Schluss führen, stammen aus der Hauptbefragung des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) und wurden vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) ausgewertet. Das SOEP untersucht jährlich die Lebensbedingungen in Deutschland von rund 30.000 Menschen und ist die größte repräsentative Langzeitstudie. Im Jahr 2023 wurden erstmals umfassende Daten zu Diskriminierung in Deutschland erhoben. Diese Daten liegen nun vor.
In der Befragung standen diese Fragen im Fokus:
- Häufigkeit von Diskriminierungserfahrungen: Wie viele Menschen haben in einem Zeitraum von zwölf Monaten Diskriminierungserfahrungen gemacht und in welchen Lebensbereichen?
- Gruppenvergleiche und mehrdimensionale Diskriminierung: Wegen welcher Diskriminierungsmerkmale sind Menschen in einem Zeitraum von zwölf Monaten diskriminiert worden? Welche Unterschiede gibt es in den Diskriminierungserfahrungen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen? Wer hat ein erhöhtes Risiko, aufgrund mehrerer Diskriminierungsmerkmale diskriminiert zu werden?
- Reaktionen auf Diskriminierungserfahrungen: Wie reagieren Menschen auf Diskriminierungserfahrungen?
- Folgen von Diskriminierung: Wie hängen Diskriminierungserfahrungen mit Gesundheit, Lebenszufriedenheit und weiteren Aspekten von Wohlbefinden zusammen?
Wir möchten hier und heute auf die Diskriminierungserfahrungen chronisch kranker Menschen sowie von Menschen mit Behinderung eingehen.
Die Zahlen
Menschen mit Behinderung oder chronischer Krankheit berichten mit einer Wahrscheinlichkeit von 17,0 Prozent von Diskriminierungserfahrungen. Zum Vergleich: Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen ohne Behinderung oder chronische Krankheit von Diskriminierung berichten, liegt bei 10,5 Prozent. An dieser Stelle sei erwähnt, dass dies weitere Kreise zieht. So erfahren Personen, die Angehörige pflegen, ebenfalls mehr Diskriminierung.
Besonders oft wird in der Studie von chronisch Kranken und Menschen mit Behinderung die Diskriminierung im Bereich „Gesundheit und Pflege“ berichtet. Hierzu zählt der Besuch von Krankenhäusern und Praxen sowie die Nutzung von Pflegeeinrichtungen oder ambulanter Dienste. 20,3 Prozent der Befragten mit Diskriminierungserfahrung berichten, in diesen Bereichen diskriminiert worden zu sein. Schaut man sich die Zahlen genauer an, geben 26,4 Prozent der Menschen mit Behinderung oder einer chronischen Erkrankung an, Diskriminierung in „Gesundheit und Pflege“ erlebt zu haben. Auch hier sind pflegende Angehörige bzw. Menschen mit Fürsorgeverantwortung vermehrt von Diskriminierung betroffen.
Die Folgen
Wer (immer wieder) Diskriminierung erfährt, ist weniger zufrieden – sowohl auf die Diskriminierungsbereiche als auch auf das Leben an sich bezogen. Weiterhin führt Diskriminierung zu einem Vertrauensverlust in die deutsche Gesellschaft sowie ihre Institutionen und sorgt dafür, dass Betroffene sich weniger mit der Gesellschaft verbunden fühlen. 42,8 Prozent machen sich große Sorgen um den Zusammehalt in der Gesellschaft (bei Nicht-Betroffenen sind es 34,2 Prozent).
Hierbei ist ebenfalls hervorzuheben, dass 56 Prozent der von Diskriminierung betroffenen Menschen nicht aktiv gegen erlebte Diskriminierung vorgehen.
Es gibt noch viel zu tun.
Quelle: SOEP-Langzeitstudie

