Spendenprojekt „Basale Socken“ – Gelebte Inklusion und Teilhabe durch gemeinsames Gestalten

Der Internationale Förderverein Basale Stimulation® e. V. freut sich, der Heinrich-Haus gGmbH, Tagesförderstätte Else-Meurer-Haus, eine Spende in Höhe von 468,50 Euro zu überreichen.
Die Ursprungsidee
Bei der Planung der Fachtagung 2026 des Internationalen Fördervereins Basale Stimulation® e. V. kam Pia Ruppert, ehrenamtliches Vorstandsmitglied des Vereins, ins Grübeln. „Ich fragte mich, was wir entwickeln könnten, dass im Fortbildungsalltag, auf Tagungen und in unserer Öffentlichkeitsarbeit sinnvoll genutzt werden kann und gleichzeitig unsere Werte sichtbar macht.“ Es entstand eine Idee: Socken mit dem Vereinslogo. Doch als es an die konkrete Umsetzung ging, wurde Pia Ruppert bewusst: „Diese Socken sollten nicht nur ein Werbemittel sein, sondern auch ein Produkt, das gemeinsam mit Menschen mit Unterstützungsbedarf entsteht.“
Der inklusive Entstehungsprozess

Pia Ruppert arbeitet hauptberuflich als Heilerziehungspflegerin in der Tagesförderstätte Else-Meurer-Haus der Heinrich-Haus gGmbH. Die Tagesförderstätte (TAF) bietet erwachsenen Menschen mit schweren und schwersten Behinderungen und hohem Unterstützungsbedarf einen Ort für Beschäftigung, Begegnung und individuelle Entwicklung. Durch einen strukturierten Tagesablauf, individuelle Förderung und vielfältige Beschäftigungsangebote werden vorhandene Fähigkeiten erhalten und weiterentwickelt.
Ein Klient aus Pia Rupperts Nachbargruppe war, als er von dem „Sockenprojekt“ hörte, direkt begeistert. Er half ihr häufig und gerne bei Plotteraufgaben, zeigte allerdings sonst oft wenig Motivation für zusätzliche Aufgaben. Als er jedoch verstanden hatte, dass die Socken für eine Fachtagung produziert werden und seine Arbeit einen konkreten Zweck hat, brachte er sich mit großem Engagement ein.
Gemeinsam sind wir noch stärker
Seine Begeisterung steckte weitere Menschen an. Durch die hohe Stückzahl und die Gespräche über das Projekt wurden schließlich noch zwei weitere Gruppen und sogar ein Schüler in die Produktion eingebunden. So entwickelte sich aus einer kleinen Idee ein echtes Gemeinschaftsprojekt.
Die einzelnen Arbeitsschritte wurden in den jeweiligen Gruppen durchgeführt. Pia Rupperts Gruppe übernahm dabei eine koordinierende Rolle und fungierte als Schnittstelle. Die Klientinnen und Klienten holten die jeweiligen Aufgaben bei ihrer Gruppe ab und brachten fertige Arbeitsschritte wieder zurück. Diese Wege wurden häufig mit kleinen Botengängen verbunden, sodass die Teilnehmenden zusätzlich Bewegungsanreize erhielten und gleichzeitig in Kontakt mit anderen Gruppen kamen.
Ein wichtiger Arbeitsschritt war das sogenannte Entgittern der Folien. Dabei wurden die nicht benötigten Folienteile sorgfältig entfernt. Die fertig vorbereiteten Motive wurden anschließend in Pia Rupperts Gruppe gebracht, wo sie gemeinsam mit einem Klienten auf die Socken aufgebügelt wurden. Hierbei kam ein Powerlink aus der Unterstützten Kommunikation zum Einsatz. Dieses Hilfsmittel ermöglicht es, elektrische Geräte über einen großen Taster zu steuern. Der Bügelvorgang konnte nur durchgeführt werden, wenn der Klient den Taster aktiv betätigte und dadurch die Stromzufuhr freigab. So wurde auch dieser Arbeitsschritt aktiv von einem Menschen mit Behinderung mitgestaltet.
Die größte Herausforderung während des Projektes war die verfügbare Zeit. Da die Arbeiten neben dem regulären Alltag der Tagesförderstätte stattfanden, musste immer wieder Zeit gefunden werden, um an dem Projekt weiterzuarbeiten. Insgesamt arbeiteten die Gruppen etwa zwei Monate an den rund 200 Paar Socken. Dabei war täglich mindestens eine der beteiligten Gruppen mit einem Arbeitsschritt beschäftigt.
Die Stimmung während des gesamten Projektes war sehr positiv. Es wurde viel miteinander gesprochen, gelacht und gescherzt. Die Teilnehmenden freuten sich darüber, einen wichtigen Beitrag leisten zu können.
Besonders schön war es, als die fertigen Produkte sichtbar wurden. Die aufgestapelten Kartons mit den fertigen Socken machten den Erfolg des Projektes für alle Beteiligten greifbar. Viele Klientinnen und Klienten kamen in die Gruppe, um sich das Ergebnis anzusehen und zu erleben, wie viel gemeinsam geschafft worden war. Auch über die eigentliche Projektarbeit hinaus zeigten die Teilnehmenden großes Engagement. So half ein Klient beispielsweise mit großer Freude dabei, die Kartons für den Transport in ein Auto zu laden.

Alle Beteiligten waren stolz darauf, dass ihre Arbeit auf einer großen Fachtagung präsentiert und verkauft werden sollte.
Die Socken „im Einsatz“:
Insgesamt stärkte das Projekt das Gemeinschaftsgefühl, förderte die Zusammenarbeit zwischen den Gruppen und machte die eigenen Fähigkeiten und Beiträge für alle Beteiligten sichtbar.
Von der Idee zum Zeichen der Verbundenheit
Manchmal braucht es gar nicht viel, um etwas in Bewegung zu bringen: eine Idee, engagierte Menschen – und ein Paar Socken.
Auf der Fachtagung Mitte Mai 2026 in Darmstadt wurden die „basalen Socken“ an einem eigenen Stand angeboten. Was dort geschah, übertraf alle Erwartungen: Die Socken fanden großen Zuspruch. Rund 200 Paar wechselten gegen eine Spende den Besitzer und gingen mit den 115 Teilnehmenden aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, der Tschechischen Republik und Italien auf die Reise.
Doch hinter jedem Paar Socken steckt mehr als ein praktischer Gegenstand. Es steckt die Geschichte von Menschen, die an ihrer Entstehung beteiligt waren, von ihrer Arbeit und ihrem Können – und von der Erfahrung, etwas Eigenes geschaffen zu haben, das gesehen und wertgeschätzt wird.
Auch der Vorstand des Internationalen Fördervereins Basale Stimulation® e. V. war von der Resonanz überwältigt. Susanne Rossius, Vorsitzende des Vereins, bringt es auf den Punkt: „Hier zeigt sich, dass Menschen nicht nur ein Produkt kaufen, sondern auch die dahinterstehende Idee unterstützen. Für die am Entstehungsprozess Beteiligten ist dies eine besondere Form der Anerkennung. Sie können erleben, dass ihre Arbeit sichtbar ist, geschätzt wird und sie sich selbst etwas erarbeiten.“
Zusammenarbeit, die etwas bewirkt
Und die Idee wirkt weiter: Aus den Spenden für die „basalen Socken“ kamen 468,50 Euro zusammen. Dieser Betrag konnte inzwischen an die Tagesförderstätte Else-Meurer-Haus übergeben werden.
So wird aus einem Paar Socken ein Stück gelebte Teilhabe. Aus Engagement entsteht Wertschätzung – und aus einer gemeinsamen Idee etwas, das verbindet und ganz konkret etwas bewirkt. Denn genau darum geht es: „nicht nur für Menschen etwas zu tun, sondern gemeinsam mit ihnen etwas zu schaffen.“
Ausblick
Was als kleine Idee begann, wird zu einer Partnerschaft. Aufgrund der positiven Resonanz soll die „Sockenkampagne“ auch im kommenden Jahr fortgeführt werden. Ziel ist es, die erfolgreiche Zusammenarbeit weiter auszubauen und erneut Menschen mit Unterstützungsbedarf aktiv in den Entstehungsprozess einzubinden.
Wenn Sie die Produkte aus der Tagesförderstätte Else-Meurer-Haus einmal selbst in Händen halten wollen, besuchen Sie die nächste Fachtagung Basale Stimulation am 21. und 22. Mai 2027 in Hamburg.
Über den Verein
Der Internationale Förderverein Basale Stimulation® e. V. mit Sitz in Berlin widmet sich der Bildungsarbeit, Forschung und Weiterentwicklung im Konzept Basale Stimulation. Er qualifiziert europaweit Pflegende, Pädagog:innen, Therapeut:innen, Betreuende und Angehörige in diesem Konzept.
Internationaler Förderverein Basale Stimulation® e. V.

Über die Heinrich-Haus gGmbH
Das Heinrich-Haus ist ein modernes Sozialunternehmen mit mehreren Standorten in der Region Neuwied, Rheinland-Pfalz. Es unterstützt Menschen mit körperlichen, geistigen, psychischen oder mehrfachen Beeinträchtigungen und verfolgt das Ziel, gesellschaftliche Teilhabe, Selbstbestimmung und individuelle Förderung zu ermöglichen. Zum Angebot gehören unter anderem Wohnformen, Bildungs- und Arbeitsangebote sowie verschiedene Förder- und Unterstützungsleistungen.
In den Tagesförderstätte werden hauptsächlich Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf begleitet. Die Besucherinnen und Besucher kommen sowohl aus den Wohnangeboten des Heinrich-Hauses als auch von außerhalb. Dabei wird eine vielfältige Klientel mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Bedürfnissen und Unterstützungsbedarfen betreut. Das Ziel ist es, jeden Menschen individuell zu begleiten und ihm die bestmögliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.
Gleichzeitig werden Selbstständigkeit, soziale Kompetenzen und das Selbstwertgefühl gestärkt. Die Tagesförderstätte bietet Orientierung, soziale Kontakte und die Möglichkeit, aktiv am Alltag teilzunehmen.
Heinrich Haus GmbH

