Kommunikation – so viel mehr als Sprache

Das Konzept der Basalen Stimulation richtet sich besonders an Menschen mit schwerer Wahrnehmungs- und Kommunikationsbeeinträchtigung. Denn Kommunikation spielt bei der Basalen Stimulation eine zentrale Rolle – allerdings nicht primär über Sprache, sondern über den Körper, die Beziehung und die Sinne. Der Begriff „basal“ bedeutet: an der Basis, grundlegend, von „unten“ ausgehend. Damit ist eine Form der Verständigung gemeint, die ohne sprachliche Voraussetzungen aufseiten beider Kommunizierender auskommt. Sie richtet sich an Menschen, die sich wenig bis gar nicht sprachlich ausdrücken können, bspw. bei schwerer geistiger Behinderung, nach Schädel-Hirn-Trauma, bei Demenz, Autismus oder bei Menschen im Koma/Wachkoma. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass jeder Mensch wahrnehmungs- und erlebnisfähig ist und auf seine ureigene Weise antworten kann – auch wenn wir diesen Ausdruck zunächst nicht als „klare“ Reaktion erkennen.
Wozu dient Kommunikation?
Laut dem Buch „BASALE STIMULATION – ein Konzept für die Arbeit mit schwer beeinträchtigten Menschen“ von Andreas Fröhlich sind die Funktionen der Kommunikation:
- Kennzeichnung der Identität
- Ausdruck des inneren Zustandes
- Herstellen von Interaktion
- Aufforderungen
- Wissensvermittlung
- Regulation von Beziehungen.
Was ist Kommunikation im Kontext der Basalen Stimulation?
In der Basalen Stimulation wird Kommunikation deutlich breiter verstanden als der bloße Einsatz von Worten. Kommunikation erfolgt über:
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Nonverbale Signale wie Atemrhythmus, Lautäußerungen, stereotype Bewegungen, Muskelspannung (Tonus), Bewegungen, Mimik, Gestik, Blickkontakt oder das Fehlen der vorgenannten.
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Körperkontakt und Berührung, die als gezielte Kommunikationsform genutzt werden.
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Die Haltung der Pflegenden/Begleitenden/pflegenden Angehörigen. Auch ihre eigene Präsenz, Stimme, Körperspannung, Ruhe, der Blick werden zum Kommunikationsmittel.
Das Ziel ist weniger, Informationen auszutauschen, als vielmehr eine spürbare, sichere Beziehung herzustellen, in der sich der andere Mensch wahrgenommen, verstanden und als „da“ erlebt.
Wie wird basal kommuniziert?
Typische Elemente in der basalen Kommunikation sind:
1. Somatischer Dialog (Körperdialog)
Die Pflegekraft/Begleitperson/der pflegende Angehörige „liest“ die Signale des Körpers (z. B. ruhigeres Atmen, An- oder Entspannung, Zurückweichen, sich öffnen etc.) und antwortet darauf mit eigenem passenden Körperverhalten. Es kann sein, dass sich ein Mensch bei Berührung zurückzieht. Dann sollte die berührende Person den Druck reduzieren, langsamer werden und beobachten, ob sich die Spannung verringert. Atmet der Mensch ruhiger und entspannt sich sichtlich, kann die Berührung (Tempo, Druck) so fortgesetzt werden wie es für die/den Berührten als angenehm empfunden wird.
2. Vibratorische und taktile/haptische Angebote
Wird der Körper gezielt berührt, bspw. durch Streichungen, flächiges Handauflegen oder Halten, gibt dies Orientierung und aktiviert den Tastsinn. Vibrationen bieten die Möglichkeit, die „Körpertiefe“ zu erleben und vermitteln Stabilität bzw. können beruhigen oder beleben. Hierfür eignen sich spezielle Gerätschaften oder auch der eigene Körper.
3. Atmung, Bewegung und Rhythmus
Wer Verbindung herstellen und Sicherheit schenken möchte, sorgt für eine Synchronisation des eigenen Atemrhythmus mit dem des Gegenübers. Auch Wiegen, sanfte Schaukelbewegungen oder unterstützte Bewegungen bieten eine rhythmische, berechenbare und daher entspannende Erfahrung.
4. Weitere Sinneskanäle als Kommunikationswege
Nach den drei vorgenannten Sinnen hört die Möglicheit zur Kommunikation noch lange nicht auf. Zusätzliche Wege der Kommunikation sind z. B. die
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auditive Stimulation: Hierzu gehören vertraute Klänge, Musik, eine leise, ruhige Stimme.
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olfaktorische Stimulation: der vertraute Geruch des Lieblingsessens, ein bestimmtes Parfüm oder Waschmittel, ein Kräuterkissen.
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visuelle Stimulation: vertraute Bilder und Gesichter, als angenehm empfundene optische Reize.
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gustatorische Stimulation: Hierbei geht es sowohl um Geschmackserlebnisse als auch das aktive Begleiten beim Essen und Trinken.
Bei all diesen Angeboten handelt es sich nicht um ein Training der Sinne – sie sind Beziehungs- und Kommunikationsangebote. Wichtig ist hierbei die innere Haltung der Pflegekraft/Begleitperson/pflegenden Angehörigen. Es geht immer um ein Angebot, niemals um eine Forderung. Nichts wird erzwungen, nichts wird erwartet.
Erfolgt keine (spürbare/erkennbare) Reaktion, bedeutet dies nicht, dass es keine Wahrnehmung gibt. Vielmehr wurde das passende Angebot noch nicht gefunden bzw. war die Dosierung/der Zeitpunkt unpassend. An dieser Stelle kann Biografiearbeit helfen. Das Wissen über Vorlieben, Gewohnheiten, vertraute Routinen, Abneigungen kann dabei unterstützen, die Angebote individuell und passend zu gestalten.
Welche Effekte hat die basale Kommunikation?
Erfahrungen und Studien deuten darauf hin, dass gelungene basale Kommunikation bei Menschen mit Beeinträchtigung u. a. zu
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einer verbesserten Orientierung im Alltag
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einem Rückgang von Unruhe und Verhaltensauffälligkeiten
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einer bessere Motorik und Gleichgewicht
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mehr Entspannung (psychisch und physisch)
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einem Aufbau von sozialen Kontakten
- mehr Interesse an der Umwelt führen kann.
Auch für das Umfeld bietet diese allumfassende Form der Kommunikation Vorteile. Sie kann zu mehr Geduld und Akzeptanz führen sowie ein besseres Verständnis für „schwieriges Verhalten“ schaffen und auf allen Seiten für ein entspannteres Miteinander sorgen.

